Sonntag, 22. Februar 2009

Kalte Asche

Titel und Aufmachung des Buches sind unscheinbar, jedoch hat es dieser Thriller in sich. "Kalte Asche" war das erste Buch, das ich von Simon Beckett gelesen habe. Auf dem Flug von Paris nach St. Martin fing ich damit an und konnte nicht mehr aufhören. "Kalte Asche" ist eine Art Fortsetzung von "Die Chemie des Todes", doch das wurde mir erst klar, nachdem ich ein paar Tage später auch das zweite Buch gelesen hatte.


Beide Bücher haben eines gemeinsam: vom ersten bis zum letzten Wort sind Spannung und Gänsehaut angesagt, Verschnaufpausen gibt es keine. Die letzten Sätze von "Kalte Asche" sind so schockierend, dass man am liebsten gleich das nächste Buch lesen würde - wenn es das schon gäbe.

Wer die Wallander-Krimis von Henning Mankell kennt, dem eröffnen sich durch die beiden Thriller von Simon Beckett ganz neue Spannungsdimensionen. Absolute Spitzenklasse, sag ich da nur!

Mittwoch, 18. Februar 2009

Antigua

In den letzten zwei Tagen ging es auf zwei Etappen von den Britischen Jungferninseln aus über St. Martin nach Antigua. Wenn ich meine Google-Earth Aufzeichnungen betrachte, dann erinnere ich mich daran, wie ich vor vielen Jahren mit meinen Geschwistern begeistert am Computer "Port Rolyal" gespielt habe. Im "wackligen" LAN spielten wir unter Widows 98 immer so lange bis das Spiel aus unerfindlichen Gründen abstürzte.
Bei dem Spiel ging darum, mit seinem Schiff in der Karibik herumzuschippern, verschiedene Ladungen von Ort zu Ort zu befördern und angreifenden Seeräubern zu trotzen. Jetzt, 10 Jahre später kreuze ich tatsächlich zwischen St. Martin und Antigua - Seeräuber waren bis jetzt allerdings Fehlanzeige.

Antigua ist während der Yacht-Wintersaison quasi die "Cote d'Azur" der Karibik. Hunderte kleiner und großer Yachten tummeln sich her im Schutz der Buchten vor dem Wind. Antigua ist zwar bergig, trotzdem aber recht niedrig. Deshalb sammeln sich nur wenige Wolken über der Insel und der Himmel ist meißt strahlend blau. Anders ist es zum Beispiel auf Tahiti oder der Hauptinsel der Seychellen. Dort sind die Berge so hoch, dass sie eigentlich die meiste Zeit im Jahr in den Wolken verschwinden.
Auch die "Maltese Falcon", die ich schon oft im Mittelmeer gesehen hab und wo ich auch schon selbst an Bord war, überwintert in Antigua. Das hochmoderne dreimastige Segelschiff im silbernen Plastiklook beeindruckt jedes Mal auf's Neue. Die Segel fahren vollautomatisch aus und die Meterdicken Carbon-Masten sind auf Knopfdruck um 360 Grad drehbar.
Für mich sind sie in der Zwischenzeit zur Normalität geworden: Sonnenuntergänge über dem Land, vom Meer aus betrachtet. Normalerweise ist es ja so, dass man die Sonne über dem Meer untergehen sieht, während man selbst auf festem Boden steht. Meine Sicht der Dinge ist irgendwie verkehrt.

Sonntag, 15. Februar 2009

Britische Jungferninseln

Knapp 8 Stunden lang ging es von St. Martin aus nach Westen, zu den British Virgin Islands (BVIs, zu deutsch: Britische Jungferninseln). Weil ich meine Spezialpillen zu Hause vergessen hatte, lag ich vor lauter Übelkeit die Hälfte der Strecke im Bett.

Zwar konnte ich in Erfahrung bringen, dass die Inseln 1493 von Christoph Columbus für die Europäer entdeckt wurden, jedoch weiß ich immer noch nicht, woher die ca. 60 Inseln ihren Namen haben. Vermutlich hatte Christoph jedem seiner Matrosen für die wochenlangen Entbehrungen auf See siebzig Jungfrauen versprochen.

Wie auch immer, wir sind jetzt schon ein paar Tage hier und mir ist noch keine Einheimische verkommen. Das liegt wohl daran, dass wir wieder mal vor Anker liegen und ich einfach nicht von Bord komm.

Freitag, 13. Februar 2009

50 Jahre im Eichenfass

Seit kurz nach dem zweiten Weltkrieg lagerte der unten zu sehende Scotch in einem Eichenfass und überdauerte dort den kalten Krieg, das Platzen der Dot-Com Blase und was sonst so im letzten halben Jahrhundert passierte. Gestern war ein 50-ster Geburtstag an Bord die passende Gelegenheit, diesen edlen Tropfen zu öffnen.



Ich war recht überrascht, auch etwas von diesem Prachtschnaps zu bekommen und stand deshalb recht ehrfürchtig vor dem schweren Kristallglas. Mir schossen alle möglichen Gedanken durch den Kopf. Da schenkt jemand an seinem 50. Geburtstag einen Schnaps aus, der in dessen Geburtsjahr am anderen Ende der Welt in ein Eichenfass gefüllt wurde. Die Zeit ist wirklich ein wertvolles Gut, sie scheint manche Dinge extrem zu veredeln. Zeit kann man nicht "schneller machen", bei manchen Dingen muß man einfach geduldig warten, bis die Zeit reif ist.

In Gedanken versunken ließ ich mir für den Scotch recht viel Zeit und genoß den (bei hochprozentigen Spirituosen normalerweise unüblichen) weichen Geschmack. Immer wieder inhalierte ich den nussig runden Eichengeruch. Im Gegensatz zu den Austern vor ein paar Tagen ist ein uralter Scotch wirklich was ganz besonderes und auch weiterzuempfehlen.

Mittwoch, 11. Februar 2009

Der Austerschatten - Zweiter Akt

Auf meinen Handinnenflächen bilden sich kleine Bläschen, meine Kopfhaut und meine Wangen jucken und ich werde das Gefühl nicht los, dass ich meinen Austerschatten garantiert kein 4-tes, 5-tes oder 6-tes mal überspringen werde. Das hat mir gerade noch gefehlt.

Unsere Krankenschwester hat mir gleich ein Antihistaminikum verabreicht. Solange mir die Luft nicht wegbleibt, geht's ja noch... Eigentlich bin ich ja nur gegen alle behaarten Tiere allergisch. Heute kann ich meine Allergieliste offenbar um eine Stelle erweitern. Aber das ist nicht so tragisch, denn welcher normale Mensch schlürft schon Austern?

Der Austerschatten

Noch vor meinem 30. Geburtstag habe ich es geschafft: Ich habe meinen Austerschatten übersprungen. Austern gehörten für mich schon immer in die Essenskategorie "Schnecken, Froschschenkel und andere Extravaganzen". Diese Tiere können meiner Meinung nach nur Leuten schmecken, die noch nie ein richtig gut abgehangenes Stück rosa Rindfleisch zwischen die Zähne bekommen haben. Und weil vor allem Franzosen auf diese Verrücktheiten stehen, schließe ich daraus, dass es in Frankreich keine vernünftigen Rindviecher geben kann - dafür umso mehr dumme.

Jedenfalls wollte ich heute Abend herausfinden, ob denn am Austerfanatismus mancher Leute wirklich was dran ist. Ich fragte unsere Köchin, wie denn Austern schmecken. Meiner Vorstellung nach, und dem schleimigen Aussehen der Tiere nach, konnte ich mir nämlich keine appetitliche Geschmacksrichtung vorstellen. "Fruchtig und nach Meer" lautete ihre Antwort, "aber auf keinen Fall schleimig". Diese Erläuterung machte mich noch neugieriger, denn für mich schmeckt Meer nur salzig, nicht aber fruchtig.

Zuerst wollte ich eine Auster aus der Küche ins Freie entführen und diese dort essen. Somit hätte ich nämlich die Möglichkeit gehabt, alles gleich über Bord zu kotzen, falls ich das schleimig glitschige Gefühl im Rachen nicht vertragen würde.



Auf die Frage, ob man die Dinger schluckt, oder beißt, konnte mir unsere Köchin nur sagen: "manche machen es so, andere so". Jedenfalls habe ich es dann doch in der Küche hinter mich gebracht, direkt über dem großen Waschbecken. Dort hätte ich zur Not auch reinkotzen können - hab ich mir gedacht. Kurz nachdem mir also meine allererste Auster mit etwas Zitronensaft beträufelt aus der Muschel in den Mund geglitscht war, entschied ich mich fürs Beissen.

Es fühlte sich an wie wenn man auf geschälte Dosenmandarinenschnitze, oder auf das Fruchtfleisch einer Litschi beisst. Der Köchin gefiel meine Assotiation und sie gab mir recht. Ein bischen salziges Meer war übrigens auch dabei.

Stolz ging ich gleich darauf in den Aufenthaltsraum und aß am Esstisch zwei weitere Austern - ganz ohne Würgereiz - um zu bestätigen, dass ich meinen Austerschatten nicht nur einmal, sondern sogar zwei- oder dreimal überspringen kann!

Einem vierten, fünften oder sechsten Austerschattensprung würde ich allerdings wieder ein zartes Stück saftig rosanes Rindfleisch vorziehen. Dazu eine gute Soße, wie der Schwooob es halt moooog. Um die Austern können sich auch weiterhin die Franzosen kümmern.

Sonntag, 8. Februar 2009

St. Martin, Sint Maarten, St. Marteen, ...

Wohin es denn gehe, fragten mich verschiedene Leute vor meiner Abreise Ende Januar. Eine befriedigende Antwort konnte ich nicht geben, denn ich wusste es selbst nicht so genau. Weder wusste ich wo der Ort liegt, noch wie man ihn schreibt. Bei einer Google-Suche musste ich feststellen, dass der Name des Ortes wohl auch anderen Leuten Schwierigkeiten bereitet. Im Internet finden sich die abenteuerlichsten Schreibweisen, wer soll denn da noch durchblicken?

Die Holländer schreiben "Sint Maarten", die Amerikaner "St. Martin", die Deutschen "Sankt Martin", die Franzosen "Saint Martin" und die Stammheimer haben sogar eine eigene Sankt Martinskirche im Dorf! Um die richtige Schreibweise kümmer ich mich also nicht mehr, das ist zu verwirrend.



Die geografische Lage der kleinen Insel läßt sich da schon viel eindeutiger festlegen. Auf der Karte ist sie durch den gelben Pfeil gekennzeichnet. Von Paris aus ging es 27. Januar in knapp 9 Stunden in einem halbvollen Flugzeug "auf die Insel". Die Zeitverschiebung zwischen der Stammheimer Sankt Martinskirche und der Martinsinsel beträgt genau 5 Stunden.

In der Zwischenzeit haben wir die Martinsinsel allerdings schon wieder verlassen und sind jetzt auf den BVIs (den "British Virgin Islands", zu deutsch "Britische Jungferninseln") angekommen. Keine Ahnung wo das ist, das Spiel beginnt also wieder von vorne.

Sonntag, 1. Februar 2009

St. Martin - Flughafenwahnsinn

Was überall sonst auf der Welt unvorstellbar wäre, ist auf St. Martin ganz normal: Riesige Passagierflugzeuge fliegen im Minutentakt in ca. 25 Meter Höhe über den Köpfen der Sonnenanbeter in Richtung Landebahn, die 30 Meter hinter dem Strand beginnt.

Regelmäßig wirbeln Sonnenbrillen, Handtücher und Mützen in Richtung Meer, auf und davon. Der Sand am Strand ist vor den übermächtigen Turbinen natürlich auch nicht sicher und wird bei jedem Start weit aufs Mehr hinausgeblasen.

Zwar warnen zahlreiche Hinweisschilder vor der hohen Verletzungsgefahr wegen des starken Windes, doch das scheint niemanden sonderlich zu interessieren.

Vor allem Fotografen kommen hier am Sunset Beach auf ihre Kosten. Nirgendwo sonst auf der Welt kommt man so nahe an Jumbos und dergleichen in Aktion heran.

Der Lärm ist ohrenbetäubend und immer wieder hört man Touristen hysterisch schreien, weil sie davon überzeugt sind, dass der Pilot die Kontrolle über sein Flugzeug verloren hat und deshalb viel zu knapp über dem Wasser mit 250 Stundenkilomenter auf die Schaulustigen zurast - ein ungleiches Duell.


Weitere Fotos vom wahnsinnigen Flughafen in St. Martin gibt es übrigens in meinem Onlinealbum zu sehen.